Antworten auf die Ölpest
Berichterstattung in der heimischen Presselandschaft über die „Ölkatastrophe" im Golf von Mexiko ist, wenig überraschend, sensationsgeil und wenig informativ. Hier ein kurzer Artikel über den Hintergrund der Ölpest und Möglichkeiten, gegenzusteuern.
Wie kam es zur Ölpest?
Am 20. April 2010 kam es auf der Ölplattform „Deepwater Horizon" nach Ausfließen von Erdgas zu einer Explosion bei der elf Menschen ums Leben kamen und die die Plattform zwei Tage später zum Sinken brachte. Seitdem strömen aus dem Bohrloch, das sich 1,5 km unter der Wasseroberfläche befindet, täglich mehrere Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko.
Sieht man dieser Tage Bilder aus Florida, Louisiana oder einem anderen am Golf von Mexiko liegenden Staat Amerikas, sind die sonst so beliebten Urlaubsziele kaum wieder zu erkennen. Stattdessen sieht man ölverseuchte Tiere und Strände, sowie verzweifelte und wütende BürgerInnen, die den Besitzer der gesunkenen Ölplattform, British Petrol (BP), dazu auffordern für den verursachten Schaden aufzukommen.
Erhebliche Schäden
Seitdem die „Deepwater Horizon" explodiert ist sind laut Schätzungen mehr als 530 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen. Dadurch werden Meerestiere gefährdet, was für die Wirtschaft der betroffenen Länder katastrophale Auswirkungen hat. Für eine 160.200 Quadratkilometer große Region (entspricht der Größe Tunesiens) wurde ein Fischfangverbot ausgesprochen. Mehrere Bundesstaaten der USA fühlten sich bereits dazu veranlasst, den Notstand auszurufen.
Der Schaden, den das ausfließende Öl verursacht, wird von ExpertInnen auf 40 Milliarden US-Dollar geschätzt. BP hat bereits einen Hilfsfonds eröffnet und dafür einen Kredit von 20 Milliarden Dollar aufgenommen. Mittels Hilfsfond will (oder muss) der Erdölkonzern die von der Ölkatastrophe Betroffenen entschädigen und die Kosten für die Reinigung der Küsten und des Wassers bezahlen.
Segeltrip statt Krisenbewältigung
Ob das dem britischen Konzern gelingen wird ist zu bezweifeln, immer mehr Stimmen werden laut, die behaupten dass BP mit der Situation überfordert ist. Mitschuld am Desaster trägt Konzernchef Tony Hayward. Nach harter Kritik (auch seitens der US-Regierung) musste Hayward die Aufgabe des Krisenmanagements an seinen Kollegen Robert Dudley abgeben. Während sein Konzern den halben Golf von Mexiko verseucht, begab sich Hayward mit FreundInnen aus der Highsociety auf einen Segeltrip mit seiner Yacht „Bob". „Sein altes Leben zurückhaben" wolle er wieder, witzelte Hayward - und erntete dafür Empörung der Angehörigen der 11 Personen, die im Zuge der Explosion der Ölplattform ums Leben kamen. Derzeit tingelt Hayward nach Abudhabi, um einer möglichen Übernahme seines in Turbulenzen geratenen Großunternehmens gegenzusteuern. Der hilflose Umgang mit der Katastrophe bringt aber nicht nur dessen Chef, sondern den Konzern selbst ins Zentrum harter Kritik.
Hilflosigkeit von BP
Die zahlreichen Versuche, das Auslaufen des Öls zu verhindern oder den Schaden einzudämmen, sind bisher fehlgeschlagen und umstritten. Etwa der Versuch, das Öl durch den Einsatz des chemischen Mittels Corexit zu dispergieren. ExpertInnen befürchten, dass das seit 10 Jahren in Großbritannien verbotene Corexit noch größere Umweltschäden als das Öl selbst hervorruft. Auch andere Gegenmaßnahmen, wie der Einsatz von Tauchrobotern zur Abdichtung des Bohrloches oder das Auffangen des Öls in großen Stahldomen, schlugen fehl. Obwohl BP mit der Situation offensichtlich überfordert ist, nehmen der Konzern und die US-amerikanische Regierung kaum ausländische Hilfsangebote an. Um in der Öffentlichkeit eine breite Liste an beteiligte HelferInnen präsentieren zu können, hat BP zahlreiche Personen angestellt, die bei der Beseitigung der Ölschäden helfen sollen.
Nebelgranaten
Immer stärker kristallisiert sich heraus, dass es sich bei den Ölpest-Bekämpfungsmaßnahmen von BP um Nebelgranaten handelt, um die Bevölkerung zu blenden. Der Öffentlichkeit wird vorgegaukelt, BP habe die Lage im Griff bzw. neue Strategien gefunden, um der Katastrophe entgegenzuwirken. So stellt BP zum Beispiel zahlreiche HelferInnen an, die am Strand oder in Fischerbooten bei Wegräumarbeiten helfen - die angefragten Personen warten allerdings oft tagelang auf Anweisungen und werden nur wenige Tage pro Monat eingesetzt. Da kommt der Verdacht auf, dass BP viele HelferInnen nur einstellt, um auf eine lange Beteiligten-Liste verweisen zu können.
Langfristiger Schaden
WissenschaftlerInnen sind sich mittlerweile sicher dass es noch bis zu vier Jahre dauern könnte bis das ganze Rohöl aus dem Bohrloch geströmt ist. Die wirtschaftlichen Folgen für die betroffenen Staaten werden voraussichtlich noch viel dauerhafter sein. Nicht nur die Fischereiindustrie ist betroffen, sondern auch der Tourismus in den Staaten am Golf von Mexiko wird zurückgehen. Verstärkt wird die Problematik durch die bevorstehende Hurrikan-Saison: Durch das Aufwühlen des Ölteppichs können das Rohöl und die giftigen Dispersionen flugs auf die Küste und in die Atmosphäre gelangen. Die tatsächlichen Kosten der Krise werden auf mehrere Hunderte Milliarden Dollar geschätzt. Womit die Frage aufkommt, wer dafür geradestehen soll.
Auswege?
Was derzeit noch niemand wirklich diskutiert ist, wie man derartige Katastrophen künftig unterbinden kann. Handelt es sich doch bei BP & Co. um Privatunternehmen, die völlig fernab jeglicher demokratischer Kontrolle agieren. Die Ölkrise ist Ergebnis einer jahrzehntelangen Politik des „freien Marktes", in der es galt, alle Beschränkungen und Regulierungen beim Erzielen von Unternehmensgewinn zu beseitigen. Sicherheitsvorkehrungen wurden bewusst missachtet, weil sie Mehrkosten für die Ölindustrie bedeutet hätten und dadurch größerem Profit im Weg standen. Die Konsequenz dieser Katastrophe kann es nur sein, eine demokratisch kontrollierte Ölindustrie in öffentlichem Eigentum zu installieren. Nur dann kann dem gefährlichen und umweltschädlichen Profitstreben ein Riegel vorgeschoben werden.
War against privatized companies!
Über Jahre wurde in den USA der „war against terrorism" gepredigt. Landauf, landab wurden dubiose fernöstliche Gestalten á la Bin Laden als Untergang des US-amerikanischen Volks hochstilisiert. Ein Rückblick in die vergangenen Jahre aber zeigt: Wesentlich mehr Schaden als „der Terror" haben die Machenschaften von Großkonzernen und (teilweise davon ausgelöste) Umweltkatastrophen angerichtet. Jetzt sollte es darum gehen, in der betroffenen Region neue Arbeitsplätze zu schaffen, um eine anschwellende Arbeitslosigkeit abzuwehren. Die Kosten der Ölkrise müssen klarerweise von der Verursacherin, der Ölindustrie, getragen werden. Die kriminellen Handlungen von BP, die zur Vergiftung des Golfs von Mexiko führten, müssen durchleuchtet und die handelnden AkteurInnen (SpitzenmanagerInnen, Konzernchef usw.) zur Verantwortung gezogen werden. Die Bewältigung der Krise kann nur durch ein von Konzernen unabhängiges Komitee von WissenschaftlerInnen sichergestellt werden - höchste Zeit, damit anzufangen!
Anastasia Hammerschmied















