Freitag 18. Mai 2012
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Inhalt:

Sozialistische Arbeiterjugend

Die österreichische Revolution

[die geschichte der sozialistischen jugend österreich]

Der Sturz der Monarchie, der Zerfall des großen Reiches und die Ausrufung der Republik entfachte aber eine revolutionäre Stimmung, die die ganze Bevölkerung erfasste. Das alte Regime mit der verhassten k.-u.k. – Administration war gefallen, und es brach die Zeit an, da längst fällige Reformen, die revolutionären Charakter trugen, realisiert werden konnten.

Ein Sozialist, Karl Renner, stand an der Spitze der provisorischen Regierung, ein anderer, Karl Seitz, bekleidete das Amt des Wiener Bürgermeisters. Das Wahlrecht wurde erst jetzt ein allgemeines, die Frauen wurden in den Kreis der gleichberechtigten StaatsbürgerInnen einbezogen, der 8-Stunden-Tag und der ArbeiterInnenurlaub verwirklicht und das Recht der ArbeiterInnen auf Wahl ihrer Räte in den Betrieben durchgesetzt.

Auch der Jugend-Verband nahm an dieser revolutionären Umgestaltung teil: Viele Reformen konnten bereits in den Anfangstagen der Ersten Republik durchgesetzt werden, doch bestand etwa immer noch der von den Jugendlichen bekämpfte Fortbildungsschulungsunterricht am Sonntag. In einer konzertierten Aktion brachten die Wiener Lehrlinge dieses Relikt aus der k.u.k. – Zeit schließlich zu Fall. Am 2. März 1919 streikten alle Wiener Lehrlinge und erzwangen so die neuen Gesetze. Bald folgten auch die Schulverwaltungen in den übrigen Ländern.

Der 5. Verbandstag brachte die durch den Weltkrieg verhinderte Generationsablöse und leitete den großen Ausbau der Organisation ein.  Im Jahr 1919 erhielt die Organisation einen neuen Namen; die „Sozialistische Arbeiter Jugend“ entwickelte sich entlang der politischen und organisatorischen Ausbreitung der österreichischen Sozialdemokratie in der Ersten Republik zu einer echten Massenorganisation der ArbeiterInnenjugend. Bereits 1923 verzeichnete sie einen Mitgliederstand von 38.000 und noch im Jahr 1932, als sie bereits von der Reaktion heftigst bedrängt wurde, gab es immer noch 28.000 Mitglieder in insgesamt 528 Gruppen.

Die massive Kraft der SAJ bestand vor allem im hohen Niveau der inhaltlichen Arbeit, der Diskussionen und Schulungen sowie in ihrer organisatorischen Stärke. Damit erlangte sie die führende Rolle bei der Unterstützung des parlamentarischen und außerparlamentarischen Kampfes der ArbeiterInnenjugend für ihre sozialen Rechte.

Der innere Diskurs kreiste in diesen Jahren um die Frage, ob im Rahmen einer politischen Jugendbewegung die politisch-kämpferische Linie, die etwa von Manfred Ackermann repräsentiert wurde, oder die sozialistische Kultur- und Erziehungsarbeit, wie sie Felix Kanitz vertrat, stärker im Vordergrund stehen sollte.

Aus dem „Richtungsstreit“ ging im Jahre 1926 schließlich Felix Kanitz als „Sieger“ hervor. Dennoch blieb die Sozialistische Jugend bis zu ihrer Auflösung durch die faschistische Ständediktatur eine massiv durchpolitisierte Organisation. Neue, eher unpolitische Organisations- und Kulturformen wie z.B. Wandern, Tanzen, Lager etc. dienten weiter nur der besseren Erfassung und Eingliederung der Jugend in die Organisation.

Dass es nicht zu einer Entpolitisierung der Jugend kam, war ausschließlich den offen zu Tage tretenden Klassenwidersprüchen  zwischen den ArbeiterInnen und dem Kapital geschuldet. Mit seinen Attacken auf die sozialen Errungenschaften der Arbeiterbewegung traf das Kapital nämlich auch und gerade die ArbeiterInnenjugend. So waren in dieser Zeit von 100 männlichen Mitgliedern der SAJ 55 arbeitslos, von 100 weiblichen 52.

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