Montag 6. September 2010
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Antifa
tags: Trotzdem | Antifa

Nur provozieren...

Ein mittelgroßes Wiener Gymnasium hat es geschafft. Auch fünf Burschen aus Oberösterreich haben es geschafft. Sie waren weltweit in Zeitungen und Fernsehnachrichten.


Während SchülerInnen des Gymnasiums Albertgasse bei einer Klassenfahrt ins ehemalige Vernichtungslager Auschwitz mit antisemitischen Äußerungen und Störaktionen aufgefallen sind, haben mehrere 14- bis 16-jährige Burschen Holocaustopfer und BesucherInnen der Gedenkstätte Ebensee attackiert sowie „Heil Hitler“ gerufen und den „Hitlergruß“ gemacht.


Mit ihnen ist wieder einmal die österreichische Gesellschaft und seine politische Landschaft in den Fokus der nationalen und internationalen Medien gerückt. „Was geht!?“, scheint die Frage der fünf Jugendlichen gewesen zu sein, die angeblich „provozieren“ wollten. Warum österreichische Jugendliche Provokation und vermeintlichen Protest rechts bzw. neonazistisch artikulieren oder in welchem politischen Klima diese unglaublichen Aktionen passieren, wird in den Medien kaum diskutiert.


Ewig nervt die FPÖ...


Klar ist, dass die FPÖ und ihr Obmann Bumsti* sich alle Mühe machen, Rassismus sowie Antisemitismus zu transportieren um von diesem aggressiven Klima profitieren. Nicht um sonst stellt sich Strache hinter die Ebensee-Täter und spricht von „blöden Lausbuben“ während seine Partei „Veto gegen einen Beitritt Israels zur EU“ plakatiert, um die antisemitischen Ressentiments der Bevölkerung zu bedienen und AntifaschistInnen pauschal als „linke Nazis“ bezeichnet. Allein diese Äußerung müsste in einer funktionierenden bürgerlichen Demokratie eigentlich zu einem gesamtgesellschaftlichen Aufschrei führen. Recht schnell drängt sich nun die Frage auf,...


… und was geht mit der SPÖ!?


Nach langer Zeit des Herumlavierens spricht endlich ein SP-Spitzenpolitiker Klartext: Werner Faymann bezeichnet in einem Fernsehinterview Heinz-Christian Strache als „Hassprediger“, der „eine Schande“ sei; die „unerträgliche Hetze“ der FPÖ sei zu verurteilen. Entscheidend ist nun, ob den großen Worten auch Taten folgen. Neben der scharfen Abgrenzung zur FPÖ auf allen Ebenen gibt es auch im Bereich der antifaschistischen Bildungsarbeit in den Schulen viel zu tun – immerhin stellt die SPÖ ja die Bildungsministerin.


Zentral dabei ist Politische Bildung als Pflichtfach einzuführen, mit dem Ziel eigenständiges und kritisches Denken zu fördern, sowie die Förderung von Projekttagen „Zeitgeschichte“. Weitere Forderungspunkte der Sozialistischen Jugend wären antifaschistische Schwerpunkte in der LehrerInnenausbildung sowie Kurse, die die Lehrkräfte dabei unterstützen, ein Abrutschen von SchülerInnen in die rechte Szene frühzeitig zu erkennen.


Wir gehen ab!


Nichts desto trotz ist klar, dass Antifaschismus nicht nur in der Schule und im Parlament stattfinden soll, sondern dass wir alle gefordert sind. Demos organisieren sich nicht von selbst, Nazi-Pickerl wollen überklebt werden und Antifa-Workshops* machen erst dann wirklich Spaß, wenn viele Jugendliche miteinbezogen werden. Wenn FreundInnen blöde Kommentare fallen lassen, gibt’s Saures, und wenn wir danach gemeinsam auf unseren Partys feiern, ist klar: Hier haben Nazis keinen Platz. Der öffentliche Raum wartet darauf, von linken und antifaschistischen Kräften zurückerobert zu werden, kreativ & offensiv. Es bleibt dabei: Wer wenn nicht wir, wann wenn nicht jetzt?


Trotzdem Juni 2009


Anmerkungen am Rand:

*Heinz-Christian Strache wurde in seiner Kindheit von seinen Freunden & Freundinnen liebevoll „Bumsti“ genannt.

**Für das Organisieren von Antifa-Workshops stehen dir die Landes- und das Bundesbüro der Sozialistischen Jugend jederzeit gerne zur Seite. Bei Interesse: ein Mail an office@sjoe.at und wir melden uns!


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