Ursachen von Sucht
Sucht ist immer ein Zeichen, dass im Umfeld des oder der Betroffenen etwas nicht stimmt. Sucht ist deshalb immer ein Symptom (ein sichtbares Zeichen) für eine tiefergreifende Störung. Sie hat verschiedenste Ursachen, die mit dem gesellschaftlichen und sozialen Umfeld, der Beziehungsfähigkeit und Konfliktkompetenz und der persönlichen Identität zusammenhängen.
Gesellschaftliches Umfeld
Auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche "Zustände"verursachen bzw. begünstigen Suchtprozesse. Das heißt, dass Sucht nicht privatisiert werden darf bzw. völlig gesellschaftsunabhängig gesehen werden kann. Arbeitslosigkeit, Mangel an Zukunftsperspektiven, desolate und belastende politische Verhältnisse, Ohnmachtsempfindungen gegenüber politischen Entwicklungen, Konsumorientierung, schlechte Umwelt- und Lebensqualitiät, Kinder- und Jugendfeindlichkeit, schlechte Schul- und Ausbildungsverhältnisse sind alles Faktoren, die Sucht mitverursachen. Sucht kann also nur dann sinnvoll bekämpft werden, wenn suchtgefährdende wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Verhältnisse verändert werden.
Warum?
Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem braucht Menschen, die seinen Geboten gehorchen, die widerspruchslos mitmachen und immer mehr Waren verbrauchen sollen und wollen. Durch Werbung versuchen Unternehmen, jede Menge künstliche Bedürfnisse zu wecken, mit dem Ziel, durch die Befriedigung der geweckten Bedürfnisse soviel Gewinn wie möglich zu machen.
Die Gewinnmaximierung ist das höchste Ziel unseres Wirtschaftssystems, alles andere wird der Geldvermehrung untergeordnet. Auch der Mensch hat nur deshalb Wert, da er/sie durch seine/ihre Arbeit seinen/ihren Beitrag für die Gewinnmaximierung leistet. Wird der Arbeiter und die Arbeiterin zu teuer und der Gewinn dadurch veringert, droht seine/ihre Kündigung. So geht es in unserer Gesellschaft nicht wirklich darum, ob wir uns in ihr wohlfühlen und sie sinnvoll mitgestalten können, sondern sie so wie sie ist, aufrechtzuerhalten und der Wirtschaft zu "dienen".
Wirtschaftsfachleute prognostizieren, dass im kommenden Jahrhundert 20 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung ausreichen würden, um die Weltwirtschaft in Schwung zu halten. Diese 20 Prozent werden aktiv am Leben, Verdienen und Konsumieren teilnehmen, der Rest der Weltbevölkerung soll mit einer Mischung aus betäubender Unterhaltung und ausreichender Ernährung bei Laune gehalten werden. Man/Frau nennt diese Strategie "tittytainment". Dieses Wort ist eine Kombination von "entertainment" und "tits", dem amerikanischen Slangwort für Busen. Schon die Römer kannten "tittytainment". "Panem et cirenses" hieß es damals. Ziel war es, die Menschen von ihrem eigenen und dem politischen Elend des Niederganges abzulenken. Diese Beispiele zeigen, dass Sucht auch eine klare gesellschaftliche Funktion hat.
Weltweit gesehen hat unser Wirtschaftssytem fast nur Chaos hinterlassen. So sterben täglich 35.000 Menschen an Unterernährung. Weiters leben 800 Millionen Menschen in Hunger und 500 Millionen leiden an Unterernährung. Seit Ende der Siebziger Jahre kann man/frau immer deutlicher auch die Schäden erkennen, die wir der Natur zufügen. Mittlerweile nehmen sie ein solches Ausmaß an, dass sie alle Befürchtungen bereits übertreffen. Angesichts dieser Tatsache wundert es nicht, dass 55% der österreichischen Jugendlichen befürchten, dass die Welt in 20 Jahren nicht mehr lebenswert ist. Diese beängstigenden Zukunftserwartungen sind ein Grund, warum sich viele Menschen in Scheinwelten (Konsum, Religion,Sucht, etc.) zurückziehen. Sucht kann also auch als hilfloser Versuch gesehen werden, unserer kranken Gesellschaft zu entkommen.










