Hemp for victory!
Vor allem in Graz erzürnt das Wunderkraut die Gemüter konservativer und rechtsradikaler Kreise. Schuld daran ist die aktuelle Kampagne der Sozialistischen Jugend Graz: Hiebe für die Reichen, Marihuana für das Volk!
Neben intensiven Materialstreuaktionen präsentierte die SJ Graz am 23. September vor mehreren hundert BesucherInnen die „KifferInnen-Doku“ Zustandswechsel und lud anschließend zur Diskussion. Kurt Flecker (ehem. Landesrat für Soziales, Kultur und Gesundheit), Ahmed Abdalla und Nick Gruber (die Regisseure des Films) und ein Aktivist der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) stellten sich dem prall gefüllten Saal.
Schon im Vorfeld der Veranstaltung erklärte die rechtsradikale Infoplattform „Alpen-Donau Info“ das Kleben der Kampagnensticker zum „Plakatieren für den Völkermord“ und das Überkleben von Anti-Abtreibungs-Plakaten mit Kampagnenstickern als „klaren Fall von Aufruf zum Mord an Kindern“. Ein paar Tage nach der Diskussion wurde auch die Grazer ÖVP auf das Thema aufmerksam, zum einen, weil es Spaß macht, Kurt Flecker als „Haschisch-Kurtl“ zu betiteln, zum anderen, weil Bernd Schönegger (ÖVP) in den „staatszersetzenden“ Positionen der SJ Graz eine Gefährdung des demokratischen Klimas wahrnimmt.
Kritik aus der Rechten, insbesondere aus den Reihen der Konservativen und Wirtschaftsliberalen, ist nichts Neues. Zu viel stünde für Wirtschaftsbosse und HüterInnen traditioneller Werte auf dem Spiel, würde man das „Teufelskraut“ legalisieren. Die Geschichte der US-amerikanischen Marihuana-Prohibition versinnbildlicht die Interessen hinter der Illegalität einer der vermutlich wunderbarsten Sachen der Welt.
„Zombiekreierendes Teufelskraut“
Der Puritaner und zweite Mann in Sachen Alkoholprohibition, Harry J. Anslinger, startete 1933 mit seinem „Bureau of Narcotics“ die intensivste Kampagne gegen Marihuana, die es bis dato gab. Mit der Unterstützung des Medienmoguls William Hearst und der großen Brieftasche seines Onkels, dem damaligen Finanzminister Andrew Mellow, veröffentlichte er unzählige Publikationen und Werbespots, die Marihuana als zombiekreierendes „Teufelskraut“ darstellten, das vorzugsweise von Kriminellen, das hieß für Anslinger in erster Linie MexikanerInnen, Latinos und andere „colored people“, konsumiert wurde und diese danach noch „blutrünstiger und krimineller“ werden ließ.
Die allgemeine Volksmeinung zu Marihuana basiert auch heute noch auf den Erfindungen dieser Kampagne. Im deutschsprachigen Raum mag auch Hitlers „Rauschgiftbekämpfung“, die Gras als Rauschmittel des „entarteten Menschen“ darstellt, Spuren hinterlassen haben.
Zu wissen ist aber auch, dass der Chemiekonzern DuPont fast zeitgleich mit dem Inkrafttreten des Tax Act von 1937, welcher im Grunde die Illegalisierung von Marihuana mit sich brachte, Nylon und eine Technik zur kostengünstigen Papier-Herstellung patentierte. Auch schon zuvor kam das Lobbying gegen Marihuana primär aus der Baumwoll- und Tabakindustrie, denn alle wussten wie vielseitig verwertbar das „Wunderkraut“ Hanf war.
Anstatt Hanf wie bisher erfolgreich in der Medizin, der Papier- oder Baumwollindustrie einzusetzen und von Zeit zu Zeit einer genüsslichen Knaster-Mischung zu erliegen, setzte man von nun an auf den War On Drugs, die beste Waffe, um Panik zu schüren und der Staatsgewalt möglichst viele Rechte zu verschaffen.
Dass es ohne Gras jedoch gar nicht geht, zeigte der Zweite Weltkrieg. Das Marihuana musste zurückgeholt werden, um den Faschismus zu besiegen. „Hemp for victory“ war die Parole. Mit Schuhbändern und Fallschirmen aus Hanf zerschlug man den Nationalsozialismus. Möglicherweise liegt hier der eigentliche Grund für die Verteufelung von Seiten der Alpen-Donau-Info MacherInnen.
Ein Kampf für die Legalisierung von Marihuana ist in gewisser Weise nichts anderes als ein weiterer „Teilkampf“ im Big Battle gegen den Kapitalismus. Die Illegalisierung des Genussmittels Gras ist nichts als ein weiterer Vorwand einiger Weniger, die mit der Zurückhaltung der „Wunderpflanze“ Massen verdienen.
Dass die Zeit reif ist, muss uns allen klar sein: Hiebe für die Reichen, Marihuana für das
Volk!
Trotzdem November 2009










