Wir wissen, woher wir kommen. Wir wissen, wohin wir wollen!
Auch über vier Jahre nach dieser Beschlussfassung und dem damit einhergehenden politischen Bewusstsein unserer Organisation, ist das Grundsatzprogramm die politische Richtschnur und die Grundlage für die Aktivitäten der Sozialistischen Jugend. Damit ist es gelungen, einen Teil zur Repolitisierung und Re-Ideologisierung der sozialistischen Jugendbewegung beizutragen und jungen SJ-FunktionärInnen einen politischen „Kompass“ für ihre Jugendarbeit zu bieten.
Neben dieser politischen Anziehungskraft, welche die SJ für Jugendliche hat und haben muss, stellen wir aber auch fest, dass nach über sieben Jahren des strukturellen Aufbaus der Sozialistischen Jugend eine Diskussion über die organisatorischen Stärken und Schwächen der politisch autonomen Jugendarbeit der SJ geführt werden muss, um damit neue organisatorische Kraft für die nächsten Jahre zu gewinnen. Denn der nächste Schritt muss für eine starke selbstständige Sozialistische Jugend sein, die politische Stärkung auch durch eine organisatorische Stärkung in Einklang zu bringen und so unserem Ziel einer gerechten und solidarischen Gesellschaft, in der Menschen nicht durch andere Menschen ausgebeutet werden, näher zu kommen.
Die Herausforderungen an die politische Jugendarbeit unterliegen einem ständigen Wechsel und Wandel und zwingen uns zu einer unablässigen Selbstreflexion und Überarbeitung unserer politischen Arbeit und Herangehensweise an Jugendliche. Um diesen Notwendigkeiten gerecht zu werden, haben unsere VorgängerInnen immer wieder flexibel Adaptierungen gesucht, um damit den neuen Rahmenbedingungen gerecht zu werden und die Sozialistische Jugend zeitgerecht „aufzustellen“. Nur so ist es gelungen, dass die Sozialistische Jugend stolz auf 114 Jahre politischer Arbeit von und für Jugendliche zurückblicken kann. Diese Adaptierungen an neue Herausforderungen darf aber nicht dazu führen, dass die SJ in eine inhaltliche oder organisatorische Beliebigkeit verfällt, daher ist es unabkömmlich, dass nach dem Grundsatzprogramm auch über die organisatorische Weiterentwicklung der SJ ein offener und breiter Diskussionsprozess gestartet wird, denn nur wenn wir wissen, woher wir kommen, wissen wir, wohin wir wollen!
Tradition pflegen heißt nicht, Asche aufbewahren, sondern das Feuer am
Glühen zu halten
Die SJ ist über die Jahre nicht stehen geblieben, sondern hat sich immer wieder geändert und den Herausforderungen der Zeit gestellt. Aber das Wahlergebnis der unter 30-jährigen hat gezeigt, dass auch die sozialistische Jugendbewegung noch viel Potenzial ausschöpfen muss, um junge Menschen besser und verstärkt anzusprechen und zu organisieren. Auch wenn wir immer die schärfsten KritikerInnen der Politik der Großen Koalition waren, ist nicht die ganze Schuld des schlechten Abschneidens der SPÖ und des guten der FPÖ auf dieses Protestpotenzial zurückzuführen.
Seit Jahren zeigt sich, dass die SJ zum Beispiel viel Potenzial verspielt, weil wir noch keinen adäquaten Zugang zu Lehrlingen und jungen ArbeiterInnen gefunden haben und wir die Öffnung für diese Personengruppen nicht konsequent genug vorangetrieben haben. Als die SJ gegründet wurde, handelte es sich um eine Einrichtung, die von jungen Arbeitern (damals durften nur Männer in der SJ aktiv sein) für junge Arbeiter geschaffen wurde. Heute prägen vor allem SchülerInnen und StudentInnen die Zahl der Aktiven in der SJ, Lehrlinge und junge ArbeiterInnen sind deutlich unterrepräsentiert. Dies wollen wir in den kommenden zwei Jahren unbedingt ändern.
Wir müssen unsere politische Herangehensweise – inhaltlich und methodisch – zielgruppenorientierter ausrichten, um konsequenter neue Jugendgruppen zu erreichen. Denn nur eine starke und organisatorisch breit und gut aufgestellte Sozialistische Jugend, die ihre Hausaufgaben erledigt, ist auch in der Lage, Druck auf die Parteispitze auszuüben und so unsere Inhalte mehrheitsfähig zu machen!
Diskussionsprozess!
Diese Stärkung kann aber nur dann gelingen, wenn es eine breit angelegte Diskussion über diese Herausforderungen gibt. Denn die organisatorische Stärkung und auch teilweise neue Erschließung von Betätigungsfeldern ist nur dann erfolgreich, wenn Gruppenstrukturen eingebunden und in unserem gemeinsamen Anliegen „mitgenommen“ werden. Deshalb werden nach dem Verbandstag und dem beschlossenen Leitantrag auch eingehende Diskussionen in den einzelnen Landesorganisationen im ersten Halbjahr 2009 stattfinden. Nach diesem Diskussionsprozess sollen die Rückmeldungen, Verbesserungsvorschläge und Kritikpunkte aus den Diskussionen an den Verbandsvorstand weitergeleitet werden, der diese Änderungen danach in ein abschließendes Dokument einarbeitet. Dieses Dokument soll der Abschluss eines Diskussionsprozesses sein und gleichzeitig Handlungsanleitung für die folgenden Jahre.
Setzen wir gemeinsam den Startschuss für diese Diskussionen, damit die Sozialistische Jugend gestärkt in die Herausforderungen der kommenden Jahre gehen kann! Denn wir müssen für einen Politikzugang stehen, welcher allen Jugendlichen die gleiche Chance bietet, in der SJ mitzuarbeiten. Denn nur durch diese gesellschaftliche Breite können wir unserem Anspruch und unserem Selbstverständnis als Massenorganisation gerecht werden. Nur wenn wir durch unsere Aktionen und Aktivitäten, unsere Forderungen und unser Auftreten Jugendliche organisieren und politisieren können, werden wir unserem Anspruch auf politische Veränderung gerecht. Es ist nicht nur notwendig, die widrigen Umstände zu erkennen und zu kritisieren, sondern wir müssen uns als starke Jugendorganisation weiter verbreitern und Jugendliche massenhaft organisieren und sie dazu befähigen, für eine Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse einzutreten.
Vor uns liegt ein langer Weg und wir haben erst begonnen, ihn zu gehen! Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat bereits verloren! Erobern wir gemeinsam Stadt und Land! Gemeinsam für eine starke Sozialistische Jugend!
Wolfgang Moitzi, Verbandsvorsitzender
Trotzdem Dezember 2008










