Es wäre mal wieder Zeit!
Eine Verkürzung der Arbeitszeit ist in Österreich nichts Neues, sie hat immer wieder stattgefunden. 1959 zum Beispiel wurde die Wochenarbeitszeit von 48 auf 45 Stunden reduziert, zwischen 1970 und 1975 weiter auf vierzig Stunden. In den 1970er Jahren wurde der gesetzliche Urlaubsanspruch erhöht, was zu einer Verkürzung der Jahresarbeitszeit führte. In den 1980er und 1990er Jahren fungierte die Frühpensionierung als eine Art Arbeitszeitverkürzung.
Markus Marterbauer (Wifo-Experte) erklärt es in seinem Buch „Wem gehört der Wohlstand?“ so: „Selbst länger dauernde Perioden hohen Wirtschaftswachstums werden nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit in einem akzeptablen Zeitraum zu senken. Eine Verkürzung der Arbeitszeit schafft Beschäftigung und verringert Arbeitslosigkeit. Vor allem in Zeiten mit vielen zusätzlichen Menschen am Arbeitsmarkt gilt es, die Arbeitszeit zu verkürzen.“[1]
Die armen Bosse!
Wie auch in vielen anderen Fragen sehen es die Wirtschafts- und Industriellenverbände Österreichs etwas anders. Vor nicht all zu langer Zeit war dort nämlich noch die Rede von einer Arbeitszeitverlängerung. Fraglich ist, ob die derzeitige Wirtschaftskrise nicht auch ein willkommener Zeitpunkt ist, um reine UnternehmerInneninteressen durchzusetzen. Fakt ist aber, dass in Österreich seit über 20 Jahren der Anteil der ArbeitnehmerInnen am Volkseinkommen sinkt und die Reallöhne stagnieren. Die Gewinnkurven der Unternehmen dagegen hatten in den letzten Jahren durchwegs einen Höhenflug. „Arbeitszeitverkürzung funktioniert eben nicht“ - mit diesem Argument ist die Diskussion in Österreich dann meist auch schon wieder vom Tisch. Empirische Analysen zeigen aber ein anderes Bild. So wies die letzte Phase der generellen Arbeitszeitverkürzung (1970-75) ein Wachstum der Beschäftigtenzahlen von ca. 2,4 Mio. 1970 auf ca. 2,7 Mio. im Jahr 1975 auf. Die jüngsten Erfahrungen mit einer gesetzlichen Arbeitszeitverkürzung in Frankreich widersprechen ebenfalls der oben angeführten These: zwischen Jänner 1999 und Juli 2001 ist die Beschäftigtenzahl im privaten Sektor um eine Million gestiegen, 350.000 davon führte die Regierung auf die 35-Stunden-Woche zurück.
Was bringt Arbeitszeitverkürzung?
Alle Formen der Arbeitszeitreduktion haben positive Effekte auf den Arbeitsmarkt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch auf die unterstützenden Rahmenbedingungen zu achten, wie zum Beispiel die Einführung der trialen Lehrlingsausbildung, das Vorhandensein flexibler Bildungseinrichtungen oder die effektive Vermittlung von Arbeitslosen. Nicht zu unterschätzen sind auch Auswirkungen auf die Lebensqualität und Gesundheit von Menschen durch die Arbeitszeitverkürzung. So haben ForscherInnen der deutschen Hans-Böckler Stiftung festgestellt, dass ab der 40. Wochenarbeitsstunde ein stark gestiegenes Erkrankungsrisiko besteht.
Zitat: „Vor allem in schlechten Zeiten mit vielen zusätzlichen Menschen am Arbeitsmarkt gilt es, die Arbeitszeit zu verkürzen.“ Markus Marterbauer (Wifo Experte)
Hintergründe
Strategien zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit
Trotz der versprochenen Ausbildungsgarantie für Jugendliche explodiert die Arbeitslosigkeit für Menschen bis 25 Jahre förmlich. Bei dieser Bevölkerungsgruppe kam es im Februar im Vergleich zum Vergleichszeitraum 2008 zu einem Plus von 35,9 Prozent auf 47.428 Jobsuchende. Insgesamt stieg die Arbeitslosigkeit um 23,7 Prozent auf insgesamt 301.695 Betroffene an, so das Arbeitsmarktservice. Dazu kommen 57.983 Personen, die in Schulung sind.
Bezeichnend ist, dass gerade Jugendliche sehr schwer von der Krise getroffen werden. Meistens dadurch bedingt, dass die Beschäftigung in Industrie und Bauwesen zurückgeht. Diese Bereiche bieten traditionell sehr viele Lehrstellen. Ein weiterer Punkt ist die Lockerung des Lehrlingsschutzes sowie die Verfügbarkeit billiger ausländischer Arbeitskräfte, welche Unternehmen dazu veranlasst, weniger Ausbildungsplätze anzubieten.
Strategien zur Bekämpfung dieser Jugendarbeitslosigkeit gibt es viele, hier ein kleiner Überblick:
Lehrlingsfonds
Unternehmen, die nicht ausbilden, zahlen in einen Topf, aus dem Förderungen für ausbildende Unternehmen bezahlt werden.
Lehrwerkstätten
Die öffentliche Hand baut im Verbund mit größeren Unternehmen überbetriebliche Lehrwerkstätten auf, die den Zugang zu Lehrberufen auch für jene Jugendliche ermöglichen, die in irgendeiner Form gehandicapt sind.
Ausbildungsplätze erhöhen
Die Zahl der Ausbildungsplätze in weiterbildenden Schulen und Fachhochschulen muss erhöht werden. Weiters müssen andere Ansätze versucht werden, wie zum Beispiel die triale Lehrlingsausbildung.
Trotzdem Juni 2009










