Armut ist weiblich
1,2 Million Menschen sind in Österreich armutsgefährdet. 420.000 sind akut arm. 14 % der Frauen leben mit einem Einkommen unter 785 Euro im Monat. Das sind um 100.000 mehr Frauen als Männer. Global stellen Frauen ¾ der 1,2 Mrd. Menschen dar, die täglich mit weniger als einem Dollar auskommen müssen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem die Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse und die u.a. daraus resultierende Schere bei den Pensionszahlungen sind zentrale Elemente bei der Entstehung von Frauenarmut.
Arbeit ohne Geld
Ein wesentlicher Grund für die Einkommensverteilung ist, dass Frauen ¾ ihrer Arbeit nicht entlohnt bekommen. Hochgerechnet erledigen Frauen in Österreich über 8 Milliarden Stunden im Jahr unentgeltlich. Das bedeutet gleichzeitig, dass Frauen mehr als die Hälfte der anfallenden Arbeit (also bezahlte und unbezahlte Arbeit) verrichten, aber nur ein Drittel des ausbezahlten Lohns erhalten. Kinderbetreuung und Altenpflege sind gesellschaftlich notwendige Arbeiten, die Frauen„unsichtbar“ und so genannt „privat“ verrichten.
Arbeit für Geld ohne Anstellung
Laut Einkommensbericht 2006 waren 39% aller erwerbstätigen Frauen in Österreich teilzeitbeschäftigt, hingegen nur 4 % aller Männer. Bei den geringfügig Beschäftigten ist der Prozentsatz noch höher. Der am häufigsten genannte Grund für diese Formen der Beschäftigung ist die Zuständigkeit für Betreuungsarbeit. Teilzeitbeschäftigung bedeutet oftmals keine einheitliche Arbeitszeit, kein ausreichendes und gesichertes Einkommen und keine Aufstiegschancen. Trotz Erwerbsarbeit können Frauen von ihrem Einkommen nicht leben. Außerdem ziehen prekäre Arbeitsverhältnisse geringere pensions- und sozialrechtliche Ansprüche nach sich. Armut bei Arbeitslosigkeit oder im Alter ist vorprogrammiert.
Arbeit dort, wo´s wenig Geld gibt
Frauen sind überwiegend in schlecht bezahlten Sektoren beschäftigt - sie arbeiten konzentriert in wenigen Bereichen. ¾ der weiblichen Lehrlinge machen eine Ausbildung zur Bürokauffrau, Friseurin oder Einzelhandelskauffrau. Erwerbstätige Frauen stellen in den Bereichen wie dem Verkauf, Reinigungsarbeiten oder Verwaltungshilfe zwischen 70 und 90% der Beschäftigten dar. Das sind genau jene Sektoren, die zu den untersten Einkommensstufen gehören.
Gleiche Arbeit für weniger Geld
Es ist immer noch so dass im Frauen für dieselbe Arbeit nicht den gleichen Lohn erhalten wie Männer. Frauen verdienen in Österreich 30% weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ist keine Frage der Arbeitszeit, denn vergleicht man Vollzeit- und Teilzeitarbeitsverhältnisse findet sich in beiden Bereichen ein Lohnunterschied von eben diesem Drittel.
Bis hierher und nicht weiter
Frauen finden sich deutlich weniger oft in höheren und damit besser bezahlten Positionen. Argumentiert wird damit, dass Frauen schlechter ausgebildet wären als Männer. An den Zahlen der Abschlüsse an österreichischen Schulen ist ersichtlich, dass mittlerweile sogar mehr Mädchen maturieren als Burschen. Die tatsächliche Ursache der „gläsernen Decke“ liegt vor allem an den Berufsunterbrechungen zur Gewährleistung von Betreuungspflichten.
Allein erziehen
Vor allem allein erziehende Mütter und ihre Kinder sind von Armut betroffen. Wo es nur ein (niedriges Frauen) Einkommen gibt, reicht es oft nicht, um den Lebensunterhalt einer Familie zu sichern. Insbesondere wenn Frauen in Niedriglohnbereichen arbeiten, geraten sie - und mit ihnen ihre Kinder - in eine Armutsspirale.
Was wir wollen:
Löhne und Sozialleistungen in existenzsichernder Höhe
Es ist notwendig, dass qualitativ hochwertige Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen eröffnet werden. Dies muss sowohl durch die Förderung einer nicht-traditionellen Berufswahl von Mädchen und Frauen als auch durch die Beseitigung der Diskriminierung in „traditionellen Frauenbranchen“ geschehen.
Ausbau und Verbesserungvon Kinderbetreuungsplätzen
Wir fordern flächendeckend, qualitativ hochwertige und ganztägige Kinderbetreuungsplätze. Vor allem die Betreuung von unter 3- und über 6-Jährigen Kindern ist in Österreich äußerst unzureichend. Nur durch die Bereitstellung von Betreuungseinrichtungen ist es tatsächlich möglich, Beruf und Familie zu verbinden und damit die Erwerbslaufbahn von Frauen zu verbessern.
Karenz/Kindergeld
Schaffung eines einkommensabhängigen Karenzgeldsystems, Flexibilisierung des Kinderbetreuungsgeldes, um mehr Geld in kürzerer Zeit beziehen zu können. Schaffung einer Zuverdienstregelung, die den Verbleib am Arbeitsplatz fördert und den Widereinstieg erleichtert. Gerechte Verteilung der unbezahlten Arbeit zwischen den PartnerInnen und weitere Maßnahmen zur Attraktivierung der Väterkarenz.
Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich
Im Sinne der Umverteilung von Erwerbsarbeit und Betreuungsarbeit ist die Verkürzung der Normalarbeitszeit essentiell. Die Steigerung der Produktivität durch technische Fortschritte und Qualifikation zeigt, dass dieselbe Arbeit in immer kürzerer Zeit erledigt werden kann. Arbeitszeitverkürzung schafft Arbeitsplätze und ermöglicht den Menschen neben Job auch Freizeit oder Zeit mit der Familie zu verbringen.
Koppelung öffentlicher Gelder an geschlechtsspezifische Kriterien
Unternehmen, die öffentliche Förderungen oder Aufträge erhalten, sollen vorweisen, dass sie aktive Maßnahmen zur Frauenförderung setzen. Dazu gehört unter anderem die Repräsentanz von Frauen auf allen Ebenen des Unternehmens.






